Illustrative Rekonstruktionen – keine historischen Originalbilder
Fachliche Grundlage
Eine Geschichte in fünf Epochen
Die Schweizer Fahrradkennzeichen entstanden nicht nach einem einheitlichen Plan. Städte und Kantone reagierten zunächst selbstständig auf den wachsenden Veloverkehr. Formen, Materialien, Wappen, Jahrgänge, Nummerierung und Herstellungsverfahren veränderten sich über Jahrzehnte – bis aus der kantonalen Vielfalt schrittweise eine schweizweite Norm und später die Velovignette entstand.
Als Primärdatenbasis dieser Seite dienen die dokumentierten Originalschilder, Bildbestände und historischen Unterlagen des Schweizer Velonummern Museums sowie des Schweizer Kontrollschild Archivs der IG Schweizer Kontrollschilder (IGSK). Die Forschungsdokumentation «Die Geschichte der Schweizer Fahrradkennzeichen 1892–2011» des Velonummern Museums bildet zusätzlich eine zentrale chronologische und historische Referenz.
Die nachfolgende Einteilung in Pionier-, Kreative-, Minimal-, Norm- und Vignetten-Epoche ist eine redaktionelle Periodisierung von licenseplates.ch / IGSK. Sie weicht bewusst von der übergeordneten Zweiteilung des Schweizer Velonummern Museums in «kreative» und «genormte» Epoche ab. Peter Morgers frühere Webseite wird ergänzend als Sekundärquelle berücksichtigt.
Vorgeschichte 1891/92: In den 1890er-Jahren entwickelte sich das Velociped vom auffälligen Sportgerät zum sichtbaren Verkehrsmittel. Nach Theo Gubler fand insbesondere das erste Radrennen Bordeaux–Paris von 1891 in der Schweiz grosse Beachtung und trug zur Popularisierung des Velos bei. Die zunehmende Nutzung führte jedoch auch zu Konflikten: Fussgänger fühlten sich gefährdet, Gemeinden erliessen Fahrverbote und die Polizei konnte fehlbare oder flüchtige Radfahrer kaum identifizieren.
1891
Vom Sportereignis zum Verkehrsthema
Die öffentliche Begeisterung für das Velociped beschleunigte seine Verbreitung. Die Velonummer entstand aber nicht allein aus dem Sportboom, sondern vor allem als behördliche Antwort auf Sicherheits-, Kontroll- und Registrierungsprobleme in den Städten.
1892
Basler Petition als wichtiger Ausgangspunkt Radfahrervereine verlangten die Freigabe weiterer Strassen. Die anschliessende politische Diskussion führte in Basel-Stadt zur Frage, wie Fahrräder und ihre Halter registriert werden können.
1893
Stadt Zürich gibt die ersten Schweizer Velonummern aus Die Polizeiverordnung vom 20. Juni verlangte Ausweiskarte und sichtbare Nummer. Die Ausgabe ist ab Oktober 1893 belegt. Das Schild wurde vorne am Fahrrad angebracht.
1893
Genf führt die ersten kantonalen Velonummern ein Der Kanton beschloss im Juli eine nummerierte «plaque de vélo»; die Ausgabe begann im November 1893.
1894
Basel-Stadt folgt mit einer kantonalen Regelung Jedes Fahrrad musste ein vorn am Lenker montiertes Nummernschild tragen.
1895
Winterthur führt ein eigenes Stadtschild ein Das bekannte Schild mit der Nummer 1515 gehört zu den seltenen erhaltenen Zeugnissen dieser frühen kommunalen Phase.
1896–99
Weitere Städte und Kantone übernehmen das Prinzip Luzern, Bern, Lausanne, La Chaux-de-Fonds, Nyon, Biel, Schaffhausen, Lugano und weitere Orte schaffen eigene Regelungen.
Winterthur 1515, um 1895Das Schild gehört zum frühen Primär-Design.
Historische Korrektur: Die Luzerner Verordnung von 1892 führte noch keine registrierte Velonummer ein. Eine sichtbare Nummer wurde dort erst durch den Nachtrag von 1896 vorgeschrieben. Der Beginn der Schweizer Velonummern liegt nach heutigem Forschungsstand 1893 in der Stadt Zürich.
Kapitel 1 · Pionier-Epoche · 1900–1932
Wappen halten Einzug – die Pionier-Epoche entfaltet sich
Um 1900 entwickelte sich aus der einfachen Nummer ein sichtbares kantonales Hoheitszeichen. Wappen, Farben und Jahrgänge kamen hinzu. Gleichzeitig suchten die Kantone nach geeigneten, wetterbeständigen und zunehmend wirtschaftlicheren Herstellungsverfahren. Für licenseplates.ch gehört diese Phase zur Pionier-Epoche 1893–1932: In ihr entstanden die grundlegenden Designfamilien und Fertigungsprinzipien, auf denen die spätere Entwicklung der Schweizer Velonummer aufbaute.
1893–1909
Primär-Design
Das Urmodell bestand aus zwei Blechen mit ausgestanzten, bis zu vier Zentimeter hohen Ziffern und einer dunklen Zwischenlage. Es zeigte meist nur die Nummer, ohne Jahrgang und häufig auch ohne Herkunftsangabe. Das Schild wurde vorne parallel zum Rad befestigt und war von beiden Seiten lesbar.
ab 1900, teilweise bis 1935
Pionier-Design
Die Velonummer wanderte an das Hinterteil des Fahrrads; das Kantonswappen wurde zum festen Gestaltungselement. Die Herstellung vereinfachte sich in drei Schritten: vom dreilagigen, vernieteten Aufbau über direkt eingepresste Zeichen bis zum einteiligen Schild aus massivem Aluminium.
Pionier-Design · Variante
Pionier-Design mit eingepresstem Wappen
Bei dieser Ausführung ist das Wappen eingepresst oder eingelassen, während die Schrift geprägt erscheint. Die Gestaltung zeigt den Übergang von aufwendig montierten Schildern zu rationeller herstellbaren Varianten mit dennoch klarer kantonaler Identität.
Pionier-Design · spätere Ausführung
Pionier-Design mit Wappen oder Kantonsbezeichnung
Diese meist spätere Ausführung zeigt das Pionier-Design in vereinfachter Form: entweder mit Wappen oder mit ausgeschriebenem Kanton. Sie dokumentiert die breite gestalterische Vielfalt, die innerhalb derselben Designfamilie bis in die Zwischenkriegszeit erhalten blieb.
1900/1903–1933
Emaille-Design
Vor allem Deutschschweizer Kantone verwendeten schwere, wetterbeständige und kunstvoll emaillierte Schilder. Rechteckige, runde, ovale und herzförmige Varianten machten das Kantonswappen zum prägenden Blickfang. Die Stadt St. Gallen gab bereits 1900 emaillierte Velonummern aus.
1900–1951
Eisen-Design der Westschweiz
Massive, breite Eisenschilder mit ausgestanzten Ziffern prägten die Westschweiz. Ab 1905 erschien meist oben ein kleines Kantonswappen; Fribourg, Genf und Waadt führten besonders früh einen sichtbaren Jahrgang ein. Ab 1906 arbeiteten fünf Westschweizer Kantone mit einem gemeinsamen Design und getrennten Nummernkreisen.
ca. 1920–1933
Massivplatten-Design
Bei wenigen Kantonen ist in den 1920er-Jahren eine besonders massive Bauart aus Aluminium nachweisbar. Im Unterschied zu den ebenfalls bereits verbreiteten dünnen Aluminiumschildern besteht diese Ausführung aus einer deutlich stärkeren, formstabilen Platte, die sich kaum verbiegen lässt und ausgesprochen wetterbeständig ist. Die Bezeichnung Massivplatten-Design wird auf licenseplates.ch verwendet, um diese seltene Bauart von den später üblichen dünnen Aluminiumschildern abzugrenzen.
Vom Manufakturstück zum Serienprodukt
Warum die Schilder einfacher wurden
1Mehrschichtig und vernietetEisen, Ebonit und dünnes Deckblech erzeugten Nummer und Wappen durch ausgeschnittene Flächen.
2Zeichen direkt eingepresstNummern und Wappen wurden geprägt und anschliessend bemalt; die Zwischenlage entfiel.
3Einteiliges AluminiumStabiles Aluminium erlaubte eine leichte, günstigere und ohne Nieten herstellbare Velonummer.
1900
Neue Designfamilien entstehen Emaille in der Deutschschweiz, massive Eisenschilder in der Westschweiz und das Pionier-Design mit kantonalem Wappen prägen die folgenden Jahrzehnte.
1905/06
Jahrgänge und gemeinsame Nummernkreise Westschweizer Kantone zeigen früh die jährliche Gültigkeit und koordinieren ihre Serien.
1910–24
Wappen und Emaille erreichen ihren gestalterischen Höhepunkt Vor allem Zürich dokumentiert eine grosse Vielfalt an Formen und Prototypen; Luzern führt 1912 das erste bekannte Emaille-Schild mit Jahrgang ein.
1923
Fahrradkennzeichen in allen Kantonen Spätestens jetzt ist die Velonummer zu einer gesamtschweizerischen Institution geworden – allerdings weiterhin mit kantonalen Formen und Regeln.
1924–32
Standardformate entstehen, die Vielfalt bleibt Mehrere Formate verbreiten sich über Kantonsgrenzen hinweg, während einzelne Kantone weiterhin eigene Lösungen pflegen.
Kapitel 2 · 1933–1942 · Kreative Epoche
Kreative Lösungen nach dem Ende der grossen Kontrollnummer
Mit dem Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr änderten sich die Spielregeln grundlegend. Die bisherige grosse, aus Distanz lesbare Registrierungsnummer sollte verschwinden. Die Kantone hielten jedoch an jährlichen Kennzeichen fest – unter anderem für Versicherung, Gebühren und Kontrolle – und entwickelten dafür sehr unterschiedliche neue Lösungen. Für licenseplates.ch beginnt damit die Kreative Epoche: Nicht mehr die Erfindung des Kennzeichens selbst steht im Vordergrund, sondern die erfinderische Reaktion auf die neuen rechtlichen Grenzen.
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Das helvetische Paradox ab 1933
Eine «Velonummer ohne Nummer»
Schilder und Banderolen durften weiterhin ausgegeben werden, aber zunächst ohne die bisherige grosse Nummer. In der Praxis fehlte der Polizei dadurch ein wichtiges Identifikationsmerkmal. Die Kantone führten die Nummerierung deshalb schrittweise und deutlich kleiner wieder ein.
1933–1954
Banderolen-Design
Die kleine Metallbanderole wurde um die Lenksäule gebogen. Sie war günstiger und diskreter als die grossen Vorgängerschilder, zeigte Jahrgang und Kantonszugehörigkeit und erhielt bald wieder eine kleine Nummer. Obwohl die Banderole bis 1954 weiterlebte, ist ihre Entstehung besonders typisch für die Kreative Epoche ab 1933.
Charakter der Epoche
Vielfalt unter neuen gesetzlichen Grenzen
Banderolen, verkleinerte Schilder, kantonale Sonderformen und unterschiedlich platzierte kleine Nummern zeigen, wie verschieden die Kantone das neue Bundesrecht interpretierten und praktisch umsetzten.
1933
Die grossen Nummern werden aufgegeben Sieben Kantone wechseln unmittelbar auf die kleine Banderole; andere geben verkleinerte Schilder oder kantonale Sonderformen aus.
1934–39
Die Nummerierung kehrt zurück Genf und Tessin nummerieren früh wieder auf der Vorderseite. Ab 1939 gibt es keine unnummerierten Banderolen mehr.
1941
Die kleine Nummer wird akzeptiert Grosse, aus Distanz lesbare Kontrollnummern bleiben ausgeschlossen; eine kleine Nummer für Versicherung und Verwaltung wird vom EJPD als zweckmässig anerkannt. Zu diesem Zeitpunkt nummerieren bereits alle Kantone wieder.
1942
Die Variantenvielfalt bleibt gross Besonders Basel-Stadt experimentiert mit unterschiedlichen Kennzeichenarten. Gleichzeitig zeichnet sich bereits der nächste Entwicklungsschritt ab: kleinere, kompaktere und einfacher herstellbare Schilder.
Kapitel 3 · 1943–1960 · Minimal-Epoche
Weniger Fläche, weniger Material – der Weg zur Norm
Ab 1943 wird die gestalterische Reduktion immer deutlicher. Basel-Stadt und Basel-Landschaft verwenden bereits kleine Langformate; das Schweizer Velonummern Museum führt die daraus hervorgehende definitive Ausführung ab 1944 als Basler-Design. 1946 setzt Schwyz mit dem kleinen Hochformat einen weiteren entscheidenden Schritt. Für licenseplates.ch beginnt deshalb 1943 die Minimal-Epoche: Die Velonummer wird kleiner, funktionaler und nähert sich schrittweise dem späteren Schweizer-Norm-Design.
1946–1960
Mini-Design im Hochformat
Schwyz führte 1946 das kleine Hochformat von etwa 4,5 × 6,8 cm ein. Kanton und zweistelliger Jahrgang standen übereinander. Damit wurde die bereits in Basel sichtbare Miniaturisierung erstmals konsequent in ein Hochformat übertragen. Dieses kompakte Layout wurde von weiteren Kantonen übernommen und bereitete das spätere Schweizer-Norm-Design vor.
1943 und 1946
Zwei Schritte derselben Entwicklung
Basel-Stadt und Basel-Landschaft stehen ab 1943 für die frühe Miniaturisierung im Langformat. Schwyz führt 1946 als erster Kanton das wegweisende Mini-Hochformat ein. Damit verschiebt sich die Gestaltung deutlich weg von grossen repräsentativen Schildern hin zu kleinen, funktionalen Kennzeichen.
Die einzelnen Designfamilien überschneiden sich zeitlich: Banderolen und ältere Eisenformen bleiben in einigen Kantonen noch mehrere Jahre parallel in Gebrauch.
1943/44
Basel verkleinert das Langformat Basel-Stadt und Basel-Landschaft verwenden bereits 1943 stark reduzierte Langformate; ab 1944 wird die definitive Ausführung als Basler-Design fassbar.
1946
Schwyz entwickelt das Mini-Hochformat Hochformat und übereinanderstehende Kantons- und Jahresangabe werden zu wichtigen Vorbildern für die spätere Schweizer Norm.
1952/53
Abmessungen und Reflexion nähern sich der späteren Norm Mehrere Kantone verwenden bereits kompakte Hochformate. Gleichzeitig verbreiten sich reflektierende Hintergründe in unterschiedlichen technischen Ausführungen.
1955
Aluminium setzt sich schweizweit durch Nach dem Ende der letzten Stahlbanderolen werden Velonummern in sämtlichen Kantonen aus Aluminium hergestellt.
1960/61
Der Übergang zur eidgenössischen Norm Das neue Strassenverkehrsrecht verlangt ein amtliches Kennzeichen mit Kanton, Gültigkeitsdauer und kleiner Versicherungsnummer. Der für 1961 vorgesehene Normaufbau wird anschliessend kantonsweise umgesetzt.
Momentaufnahme 1952
Alle damaligen Kantone – ein Jahrgang, viele Welten
Velonummern des Jahrgangs 1952 aus allen damaligen Kantonen.
Der Jahrgang 1952 ist eine besonders anschauliche Momentaufnahme der Minimal-Epoche. Obwohl sämtliche Schilder im selben Jahr ausgegeben wurden, unterscheiden sie sich noch deutlich in Form, Farbe, Beschriftung und Oberflächenbehandlung. Das Foto zeigt damit sehr unmittelbar, wie weit die Schweiz zu diesem Zeitpunkt noch von einem einheitlichen Erscheinungsbild entfernt war.
Bei den Formen sind drei Entwicklungsstände gleichzeitig sichtbar: Schwyz und Wallis zeigen noch sehr kompakte Mini-Ausführungen; das Schweizer Velonummern Museum führt die Walliser Variante 1952–1954 separat als «Valais-Design». Waadt, Bern und Freiburg verwenden weiterhin das Banderollen-Design. Aargau, Basel-Stadt, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Zug und Zürich zeigen dagegen bereits eine Schildform, die dem späteren Erscheinungsbild der Norm-Epoche deutlich näherkommt.
Auch farblich ist die Vielfalt noch gross. Ein reflektierender Hintergrund ist im dokumentierten Bestand des Jahrgangs 1952 bei Aargau, Appenzell Ausserrhoden, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Glarus, Luzern, Neuenburg, Obwalden, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau, Tessin, Wallis, Zug und Zürich festzustellen. Die Reflexwirkung wurde dabei nicht überall gleich hergestellt: Die Oberflächen reichen von unterschiedlich grobkörnigen Reflexbelägen bis zu glatter wirkenden Beschichtungen beziehungsweise Folierungen.
Gerade diese Zusammenstellung macht sichtbar, weshalb 1952 als Schlüsseljahr auf dem Weg zur Norm verstanden werden kann: Material, Reflexion und kompakte Form nähern sich bereits an, während die kantonale Gestaltungsfreiheit noch deutlich erkennbar bleibt.
Kapitel 4 · 1961–1988 · Norm-Epoche
Norm-Epoche – die Standard-Velonummer gemäss Verordnung
Die Verordnung von 1959 legte das künftige Erscheinungsbild fest und sah die neue Ausführung für den Jahrgang 1961 vor. Vollständig auf das einheitliche Grundformat umgestellt hatten jedoch erst 1962 alle Kantone; einzelne Detailvorschriften wurden sogar erst später vollständig umgesetzt. Für die Epocheneinteilung von licenseplates.ch beginnt die Norm-Epoche deshalb 1961, mit dem rechtlich vorgesehenen Start des neuen Systems.
Die Elemente des Norm-Designs
Format: 8 × 5 cm im Hochformat.
Grund: roter, reflektierender Belag.
Oben: Kantonskürzel und zweistelliger Jahrgang, teilweise jährlich in der Position wechselnd.
Unten: 0,8 cm hoher Streifen ohne Belag mit kleiner, farblos eingeprägter Versicherungsnummer.
Gültigkeit: ein Jahr; das Kennzeichen wurde jährlich erneuert.
Das Norm-Design war eine Evolution aus früheren kantonalen Lösungen: Aluminium wurde bereits um 1920 in Solothurn verwendet, Schwyz lieferte 1946 Hochformat und grafische Grundidee, mehrere Kantone führten 1952 das Mass 5 × 8 cm ein und Basel-Landschaft erprobte 1953 den roten reflektierenden Hintergrund. Trotz der Norm blieben kleine kantonale Eigenheiten bei Schriftfarbe, Prägung und Anordnung erhalten.
1962
Alle Kantone verwenden 8 × 5 cm Basel-Landschaft und Thurgau stellen als letzte Kantone auf das vorgeschriebene Format um.
1963
Kanton und Jahrgang dürfen alternieren Das EJPD erlaubt, in ungeraden Jahren die Jahreszahl oben und die Kantonsbuchstaben unten anzuordnen. Mehrere Kantone nutzen diese Möglichkeit.
1962–88
Kleine Unterschiede bleiben sichtbar Schriftfarben, nach innen oder aussen geprägte Zeichen und kantonale Sonderdetails sorgen weiterhin für Sammlervarianten.
1979/80
Der neue Kanton Jura Aus praktischen Gründen erscheint die erste jurassische Velonummer bereits mit dem Jahrgang 1980.
1981
Die Norm ist erstmals vollständig umgesetzt St. Gallen übernimmt als letzter Kanton auch den vorgeschriebenen unteren Streifen ohne Reflexbelag.
1988
Letzter Jahrgang der geprägten Velonummer Nach rund 95 Jahren endet die Ära der jährlich auf Aluminium geprägten Schweizer Fahrradkennzeichen.
Kapitel 5 · 1989–2011 · Vignetten-Epoche
Vignetten-Epoche – vom Metallschild zum Versicherungsaufkleber
Der jährliche Bezug der Aluminium-Velonummer galt zunehmend als teuer, bürokratisch und materialintensiv. Ab 1989 ersetzte deshalb eine selbstklebende Vignette das geprägte Schild. Die Haftpflichtversicherung blieb der zentrale Grund, weshalb überhaupt noch ein Fahrradkennzeichen ausgegeben wurde.
Übergang 1989
Grundplatte plus Vignette
Die rote Metallplatte behielt Form und Abmessungen der bisherigen Velonummer, trug aber keine Prägung mehr. Auf der unteren Hälfte wurde eine 4 × 2 cm grosse Vignette aufgeklebt.
Definitives Design ab 1990
Versicherung, Kantonscode, Serie und Jahr
Die Informationen wurden nun als Zahlencodes dargestellt. Der früher selbstverständliche Bezug zwischen lesbarer Kantonsabkürzung, Fahrrad, Halter und Register trat in den Hintergrund.
1988
Jura nimmt den Wechsel vorweg Der Kanton gibt eine einzigartige Hybridlösung mit selbstklebendem Element aus.
1989
Schweizweite Übergangsvignette Die Vignette zeigt noch Kantonsbuchstaben, Jahrgang und Seriennummer und wird auf einer roten Metallgrundplatte angebracht.
1990
Definitive Fahrradvignette Das neue 4 × 2 cm grosse Design verwendet eine Versicherungsnummer, einen zweistelligen Kantonscode, eine Seriennummer und den gross dargestellten Jahrgang.
1995
Die Grundplatte wird fallengelassen Die Vignette darf direkt und gut sichtbar am Fahrrad angebracht werden. Das letzte formale Überbleibsel der Metall-Velonummer verschwindet.
2011
Letzte Velovignette Die Schweiz produziert den letzten Jahrgang des obligatorischen Fahrradkennzeichens.
1.1.2012
Keine Velonummern und keine Vignetten mehr Die Kennzeichenpflicht und die damit verbundene obligatorische Fahrrad-Haftpflichtversicherung werden aufgehoben. Schäden werden seither grundsätzlich über private Haftpflichtversicherungen oder die verursachende Person geregelt.
Was die Metall-Velonummer leistete
Die Versicherungsnummer war mit Fahrradausweis und amtlichem Register verbunden. Dadurch konnten Halter und teilweise auch wiedergefundene Fahrräder behördlich identifiziert werden.
Was sich mit der Vignette änderte
Die Vignette bestätigte vor allem den Versicherungsschutz. Sie war übertragbar und stellte in der Schweiz keinen vergleichbaren amtlichen Bezug zwischen einem bestimmten Fahrrad und seinem Halter mehr her.
Einordnung
Mehr als ein Stück Aluminium
Die Velonummer dokumentiert 120 Jahre Schweizer Alltags-, Verwaltungs-, Versicherungs- und Designgeschichte. Sie zeigt exemplarisch, wie föderalistische Vielfalt schrittweise in eine eidgenössische Norm überführt wurde – und wie eine ehemals gut sichtbare Kontrollnummer im Verlauf politischer Konflikte immer kleiner wurde, bis am Ende nur noch ein Versicherungsaufkleber übrigblieb.
Verwandtes Thema
Velonummern als Vorläufer der Autoschilder
Die frühen Fahrradkennzeichen schufen das Grundprinzip aus Register, Ausweis und sichtbarer Nummer, auf dem später auch die Motorfahrzeug-Kontrollschilder aufbauten.
Für diese Seite werden die dokumentierten Originalschilder, Bildbestände und historischen Originalquellen des Schweizer Velonummern Museums als Primärdaten herangezogen. Die Publikation «Die Geschichte der Schweizer Fahrradkennzeichen 1892–2011», Version 4, Stand 1. August 2025, dient zusätzlich als zentrale Forschungs- und Chronologiereferenz. Sie basiert auf Recherchen im Bundesarchiv, in allen 26 Staatsarchiven und zahlreichen weiteren Quellen.
Originalschilder, eigene Bilddokumentationen, Vergleichsbestände und langjährige Beobachtungen der IG Schweizer Kontrollschilder bilden die zweite Primärdatenbasis dieser Unterseite. Dazu gehören insbesondere seltene Bauarten, Materialvarianten und kantonale Übergangsformen, die in der bestehenden Literatur nicht immer als eigene Designfamilien erfasst sind.
Redaktionelle Periodisierung
Fünf Epochen auf licenseplates.ch
Die Begriffe Pionier-Epoche (1893–1932), Kreative Epoche (1933–1942), Minimal-Epoche (1943–1960), Norm-Epoche (1961–1988) und Vignetten-Epoche (1989–2011) sind eine eigenständige Gliederung von licenseplates.ch / IGSK. Sie wurde aus den dokumentierten gestalterischen, technischen und rechtlichen Umbrüchen abgeleitet und unterscheidet sich bewusst von der Epocheneinteilung des Schweizer Velonummern Museums.
Ergänzende Sekundärquelle
Peter Morger
Die frühere Webseite und das daraus gesicherte Dokument «CH Fahrradschilder» werden ergänzend für Begriffe und bekannte Varianten berücksichtigt. Abbildungen aus der früheren Webseite werden nicht übernommen.
Kontext 1891
Theo Gubler
Der Kampf um die Strasse, Bern: Verlag der ASPA, 1953. Die Publikation dient als Quelle für die Einordnung der Aufmerksamkeit, die das Radrennen Bordeaux–Paris 1891 in der Schweiz auslöste, und für die frühe Etablierung des Velocipeds.
Bild- und Quellenprinzip
Eigenes Bildmaterial und transparente Herkunft
Historische Bilder werden auf licenseplates.ch nur verwendet, wenn sie aus dem eigenen Archivbestand stammen, von Partnern oder Nutzenden zur Verfügung gestellt wurden oder ihre Nutzung eindeutig geklärt ist. Originalfotos und dokumentierte Vergleichsstücke bilden einen wesentlichen Bestandteil der historischen Auswertung; Bilder aus Peter Morgers früherer Webseite werden nicht übernommen.